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Hermann Müller-Thurgau (1850-1927): Leben und Wirken in Wädenswil

In der Schweiz waren führende Köpfe aus Politik und Landwirtschaft sehr interessiert an einer Schweizerischen Versuchsanstalt für Obst , Wein- und Gartenbau nach deutschem Muster. Ist es Zufall, dass zwei treibende Kräfte in dieser Sache Thurgauer waren? Bundesrat Adolf Deucher aus Steckborn und Oberst Victor Fehr von der Kartause Ittingen setzten sich mit aller Kraft für die Schaffung einer solchen Institution ein. Ist es Zufall, dass die Wahl des ersten Direktors auf unseren Hermann Müller-Thurgau fiel? Niemand weiss es! Tatsache ist, dass die drei Männer befreundet waren. Und Tatsache ist auch, dass Müller-Thurgau im Frühling 1891 die neue Herausforderung annahm.

Die Aufgabe in Wädenswil war für Müller-Thurgau wesentlich anspruchsvoller: Er hatte die gesamte Forschungsanstalt und nicht ‘nur’ ein Institut aufzubauen. Eine Herkulesaufgabe, der sich Müller-Thurgau mit der ihm eigenen Kraft und Ausdauer stellte und die Lehr- und Versuchsanstalt erfolgreich entwickelte.

Von Geisenheim hatte Müller-Thurgau 150 erfolgversprechende Reben seiner Zucht mitgenommen. Hier in Wädenswil liess er sie von seinem Mitarbeiter Schellenberg pflegen und weiterentwickeln. Es dauerte bis ins Jahr 1906, bis die ersten 100 Liter Wein gekeltert werden konnten. Die neue Sorte kam beim Publikum an. Die Rebe Riesling x Silvaner verbreitete sich in der Schweiz, in Europa und der ganzen Welt. Dass die neue Rebsorte ausserhalb der Schweiz «Müller-Thurgau» genannt wurde, behagte ihm nicht. Er hat dafür gesorgt, dass sie in der Schweiz nicht nach ihm benannt wurde: Riesling x Silvaner.

Aber Müller-Thurgau selbst hegte Zweifel darüber, welche Eltern-Rebsorten verwendet worden waren. Gewissheit bekam er aber zeitlebens nie! Erst 1998 konnte mit molekularbiologischen Untersuchungen nachgewiesen werden, dass als Vater nur Madeleine Royale in Frage kam. Mit grösster Wahrscheinlichkeit hatte natürlicher Pollenflug die Absichten des Züchters durchkreuzt.

Wädenswil war seine Leidenschaft, unermüdlich forschte und arbeitete er zum Wohle der Menschen und der Natur. Erst im Alter von 74 Jahren liess er sich pensionieren und bereits drei Jahre später verstarb Hermann Müller-Thurgau am 18. Januar 1927 in Wädenswil.

Hier in Tägerwilen erinnern eine Gedenktafel am Geburtshaus, eine bronzene Plastik davor, die nach ihm benannte Strasse und natürlich der herrliche Rebberg der Tägerwiler Rebleute an einen wirklich grossen Wissenschaftler!

Historischer Verein am Seerhein, Bruno Sutter

Der Rebhang Nüüsatz an guter Lage westlich vom Dorf

Auch im Alpenclub aktiv: 1895-1899 Präsident der SAC-Sektion Hoher Rohn (sitzend, 1. von links)