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Hermann Müller-Thurgau (1850-1927): Jugend und Ausbildung

«En Bueb, es isch en Bueb!», tönt es am 21. Oktober 1850 durchs Haus beim Allmendbach an der Hauptstrasse. Ein grosses Ereignis für das junge Ehepaar Müller-Egloff, das zusammen mit den Eltern im gleichen Haus wohnt. Die Familien bestreiten ihren Lebensunterhalt, wie es damals nötig war, mit verschiedensten Tätigkeiten: Landwirtschaft, Rebbau, Bäckerei, Gastwirtschaft. Schon früh müssen Hermann und seine jüngere Schwester mithelfen: im Stall, in den Reben, in der Bäckerei.

Und schon früh fällt Hermann durch sein Interesse an der Natur und durch seine geistige Beweglichkeit auf. Für seinen Primarlehrer ist klar: Der Bub ist hochbegabt und muss in die Sekundarschule. Und zwar ein Jahr früher als üblich! 1863 wird aber die Sek Tägerwilen geschlossen, und Hermann schliesst die Sekundarschule im benachbarten Emmishofen ab.

Nachher wechselt er ans Lehrerseminar Kreuzlingen. Seine Mutter hätte es zwar gerne gesehen, wenn Hermann Pfarrer geworden wäre, aber der junge Mann hat andere Pläne. Nach erfolgreichem Abschluss der dreijährigen Ausbildung vertieft de chlii Müller, wie ihn Seminardirektor Rebsamen zu Hermanns Leidwesen nennt, seine Französischkenntnisse im Neuenburgischen. Als Volksschullehrer arbeitet er dann lediglich während zehn Wochen: Er übernimmt im Mai 1870 in Stein am Rhein eine Stellvertretung.

Im Oktober 1870 beginnt er sein Studium am Polytechnikum Zürich (später: ETH) und wird 1872 als Fachlehrer für Naturkunde, Zeichnen und Mathematik ans Seminar Kreuzlingen angefragt. Lange hat Müller die Stelle aber nicht inne: ein Jahr später zieht er nach Würzburg, studiert beim berühmten Prof. Julius Sachs und doktoriert dort erfolgreich bereits 1874. Sachs ist von Müller so begeistert, dass er ihm eine Assistenzstelle anbietet.

Müller ist ein verbreiteter Nachname. Hermann war damals auch kein seltener Vorname. So ist es nicht verwunderlich, dass bei Namensgleichheit Attribute gesucht werden, damit die Müllers klar unterschieden werden können. So wie Direktor Rebsamen seinerzeit de chlii Müller kreierte, so entstand in Deutschland eben Müller-Thurgau. Damit war – ohne verletzendes Adjektiv – jede Verwechslungsgefahr gebannt. Speziell ist, dass der Name für ihn persönlich sogar amtlich anerkannt wurde.

Auf den 1. Mai 1876 wird er als Leiter des neu gegründeten pflanzenphysiologischen Instituts in Geisenheim (D) berufen. Müller-Thurgau ist noch keine 26 Jahre alt!

Historischer Verein am Seerhein, Bruno Sutter

Büste von Hermann Müller-Thurgau vor seinem Geburtshaus

Hermann Müller-Thurgau