Rück- und Ausblick des Gemeindepräsidenten
Die vielen negativen globalen Schlagzeilen im 2023 führen uns vor allem eines vor Augen: wie gut es uns in der Schweiz geht. Dennoch sehen wir uns in verschiedenen Bereichen mit beträchtlichen Herausforderungen konfrontiert. Viele Personen sind beispielsweise von der Teuerung betroffen, z.B. durch höhere Mieten, Krankenkassenprämien und Lebensmittelpreise. Mitunter manifestieren sich die Schwierigkeiten globalen und nationalen Ursprungs ganz konkret auf der kommunalen Ebene.
Drei Beispiele dazu. Im vergangenen Jahr ist bei uns leider die hohe Rate der Kleinkriminalität in Form von zahlreichen Einschleichdiebstählen, Einbrüchen in Fahrzeuge, Entwendung von Fahrrädern etc. offenbar geworden. Als Reaktion wurde der Einsatz des privaten Ordnungsdienstes ausgeweitet und die Zusammenarbeit mit der Polizei und der Stiftung Peregrina verstärkt. Ein grösserer Wermutstropfen im 2024 für Tägerwilen ist der um rund 40 Prozent höhere Stromtarif. Aufgrund der Beschaffungen im Voraus holen uns einerseits die Verwerfungen am Energiemarkt verzögert (dafür etwas geglättet) ein, andererseits müssen auch die erheblichen Investitionen in unser Stromnetz eingepreist werden. Schliesslich schlagen auch erhöhte übergeordnete Abgaben zu Buche. Ein sparsamer Umgang beim Stromverbrauch lohnt sich 2024 also besonders. Zum Dritten sind die stark steigenden Gesundheitskosten nicht nur für das Familien-, sondern auch für das Gemeindebudget ein Sorgenposten. Seit Jahren erhöhen sich in der Gemeinderechnung die durch Steuergelder der Gemeinde zu finanzierenden Restkosten überdurchschnittlich.
Viel Arbeit auf, an und in Strassen
Die erwähnten Bereiche befinden sich nur bedingt im Einflussbereich von Gemeinderat und Verwaltung. Wie bereits in den Vorjahren wird unsere Organisation intensiv von den zu erbringenden Dienstleistungen und den zahlreichen Infrastruktur- und Entwicklungsvorhaben in Anspruch genommen. Das grösste Investitionsprojekt war - in guter Zusammenarbeit mit dem kantonalen Tiefbauamt - der Hertlerkreisel. Das Bauwerk ist nicht nur ein wichtiger Knotenpunkt für den Strassenverkehr, sondern auch für zahlreiche Versorgungsleitungen. Mit Blick auf die Gebrechlichkeit von Teilen des Netzes bei der Wasserversorgung und den Ausbaubedarf beim Stromnetz sind die jährlichen kombinierten Projekte für die Erneuerung von Strassen und Werkleitungen unabdingbar. Letztes und dieses Jahr davon betroffen waren bzw. sind Seeblickweg (Ost), Seeblickstrasse, Oberdorfstrasse, Rüselweg, Rüselbachstrasse, Nägeliweg und Wigärtlistrasse.
2024 sollen drei Bushaltestellen auf Gemeindestrassen (Zentrum, Guggenbühl, Ernst-Kreidolfstrasse) auf Barrierefreiheit umgebaut werden. Weiter beteiligt sich die Gemeinde am Umbau der Haltestelle Glaserstrasse sowie an einer zusätzlichen Querungshilfe mit Bushaltestelle an der Konstanzerstrasse (Gewerbegebiet Zälgli), die durch das kantonale Tiefbauamt realisiert werden.
Trotz Verzögerung aufgrund der nassen Witterung konnten just zum Jahresende die Hauptarbeiten an der Fischtreppe beim TKB-Gebäude fertiggestellt werden, einem Vernetzungsprojekt zu Gunsten der Biodiversität. Bei der für 2024 vorgesehenen Revitalisierung im Bereich des Allmendbachs beim Palmenweg ist der eigentliche Auslöser der Hochwasserschutz. Beide Projekte können dank beträchtlichen kantonalen Beitragszusagen umgesetzt werden. Wegen Auflagen des Hochwasserschutzes musste die Sanierung des Durchlasses für den Castellbach bei der Rüselbachstrasse vom Strassen- und Werkleitungsprojekt entkoppelt werden.
Gemeinde investiert in Energiewende und kombinierte Mobilität
An der Gemeindeversammlung von Ende Mai wurde das Reglement zur Förderung von erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz genehmigt, so dass inzwischen die ersten Beiträge aus dem neuen Förderfonds ausgerichtet werden konnten. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur schreitet voran. Mit den Angeboten für den Fahrradverleih an beiden Bahnhöfen (regivelo) und der für Einheimische kostenlosen Mietmöglichkeit für ein Lastenvelo wurden in Ergänzung zum bereits sehr gut ausgebauten ÖV-Angebot alternative Mobilitätsangebote bereitgestellt.
Die Sicherstellung der Energie- und Wasserversorgung bleibt weiter ein Schwerpunkt im
Investitionsprogramm der Politischen Gemeinde. Zusätzlich zu den erwähnten Leitungssanierungen werden heuer beim Trompeterschlössli und bei der katholischen Kirche neue Trafostationen erstellt und jene in der Leberen saniert. Im Gebiet Forenbühl und Gruebhalde werden die Quellfassungen und -leitungen erneuert. Die gesetzlich vorgeschriebene Einführung von Smart Metering, also von „intelligenten“ Strom- und Wasserzählern, die zur Fernübertragung in ein Kommunikationsnetz eingebunden sind, wird unsere Werkverwaltung noch die nächsten fünf Jahre beschäftigen. 2023 ist die aufwändige Ausschreibung und Evaluation des externen Partners erfolgt. Der Wärmeverbund hat den geplanten Ausbau ins Gebiet Bindersgarten erfolgreich realisiert. Die Kapazität der aktuellen Anlage ist damit erschöpft. In einer angelaufenen Studie werden vor der anstehenden Sanierung des Heizkessels die künftigen Optionen evaluiert.
Etliche Planungsgeschäfte
Mit der generellen Entwässerungsplanung (GEP) und der generellen Wasserversorgungsplanung (GWP) wurden zwei umfassende, gesetzlich geforderte Planungswerke in einem mehrjährigen Prozess erfolgreich überarbeitet. Die daraus folgenden Massnahmen werden laufend, möglichst in Kombination mit anderen Arbeiten, umgesetzt.
Der Gemeinderat befasst sich mit dem Zustand der Gemeindeliegenschaften, dem künftigen Bedarf und den strategischen Optionen. 2024 wird ein Vorprojekt für die Sanierung und Erweiterung des Friedhofsgebäudes der Gemeindeversammlung unterbreitet werden. Weiter soll eine Machbarkeitsstudie zur Bürgerhalle deren zusätzliches Potenzial in Ergänzung zur Sanierung aufzeigen. In der zweiten Hälfte des Jahres wird zudem der Masterplan aus dem Studienverfahren für die Bahnhofstrasse Süd erwartet.
Selbstverständlich beschäftigen uns auch Aufgaben und Anliegen mit weniger „sichtbaren“ Resultaten wie etwa im sozialen oder kulturellen Bereich. Zu dieser Kategorie gehört auch Internes. Hier ist beispielsweise die Stärkung und die Digitalisierung unserer Verwaltung geboten.
Dank des Gemeinderats
Eine solche Vielfalt und Menge an Aufgaben effizient und erfolgreich zu bewältigen, kann nur gelingen, wenn man auf das Vertrauen an der Basis zählen kann. Dieses ist bei uns mehrheitlich vorhanden - herzlichen Dank dafür an Sie, geschätzte Einwohnerinnen und Einwohner. Weiter muss man sich dazu auf ein erfahrenes und leistungsbereites Mitarbeiter-Team abstützen können, wie dies bei uns glücklicherweise der Fall ist. Einen wichtigen Beitrag leisten nicht zuletzt alle Personen, die sich in irgendeiner Form im Dorf engagieren. Auch ihnen ist der Gemeinderat sehr dankbar. In seinem Namen wünsche ich Ihnen allen gute Gesundheit, viel Glück und Optimismus im 2024.
Markus Ellenbroek, Gemeindepräsident