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Jahresrück- und -ausblick 2021/2022 des Gemeindepräsidenten

Gegen Ende letzten Jahres hat Tägerwilen die Einwohnerzahl von 5'000 überschritten. Das stürmische Wachstum insbesondere der letzten Dekade bewegte uns alle – und es wird uns auch die kommenden Jahre beschäftigen. Diesem Fakt müssen Gemeinderat und Verwaltung in ihrer Arbeit Rechnung tragen.

Einen Rück- und Ausblick für Tägerwilen zu halten bedeutet, eine Auswahl zu treffen und vieles wegzulassen, darunter auch Wichtiges. Der Rahmen würde angesichts der Vielzahl der Geschäfte, Projekte und Veränderungen sonst gesprengt.

Gute Zusammenarbeit in Gemeinderat und Verwaltung

Der Gemeinderat hat sich in seiner neuen Zusammensetzung schnell zur Balance zwischen kontroversen Diskussionen und effizienter Erledigung der Sachgeschäfte gefunden. Dies ist nicht selbstverständlich, ist doch die aktuelle Behörde im Vergleich zu noch vor wenigen Jahren relativ jung an Alters- und Amtsjahren. Es kommt uns entgegen, dass wir in Tägerwilen auf eine schlanke, aber sehr erfahrene und engagierte Crew in der Verwaltung und im Werkhof bauen können. Im Herbst neu dazu gestossen ist Belinda Stacher (Baugesuchszentrale). Nach ihrer Lehre hat zudem Almedina Abazi (Einwohnerkontrolle) neu Verantwortung übernommen.

Neben den bekannten Veränderungen bei der «Tägerwiler Post» erschliesst sich für die interessierten Einwohner eine zusätzliche Informationsquelle: auf der Homepage der Gemeinde können das Budget und die Jahresrechnung inklusive Jahresvergleichen, Grafiken und Detaillierung der Zahlen jederzeit online abgerufen werden.

2021 fielen leider wiederum einzelne grössere Anlässe im Dorf der Pandemie zum Opfer, darunter der Märliumzug, der leider gar auf 2026 verschoben werden musste. Im neuen Jahr steht trotzdem wieder einiges auf dem Veranstaltungskalender. Einen Höhepunkt stellen die Jubiläumsfeierlichkeiten zu 101 Jahre Gewerbeverein anfangs September dar. Erfreut darf festgestellt werden, dass das Tägerwiler Gewerbe grösstenteils gestärkt aus dem alten Jahr hervorgeht. Besonders der Detailhandel blüht auf (z.B. kilo+gramm, Chäshusli, Pasta Werk).

Im Gemeinderat steht die Verabschiedung der Reglemente zum Feuerschutz und zum Landkreditkonto an (beides Geschäfte an der Gemeindeversammlung im Mai). Zusammen mit Kreuzlingen ist das Reglement für den Zweckverband Abfallkompostierung in Überarbeitung. Das Reglement zur Tägerwiler Post wurde hingegen aus bekannten Gründen vorerst zurückgestellt. Weiter hat der Gemeinderat kürzlich eine Arbeitsgruppe zur Bildung einer Sportkommission eingesetzt.

Energie und Nachhaltigkeit weiter im Fokus

Zu befinden hat die Behörde auch über die Vorschläge der anfangs letzten Jahres neu eingesetzten Energiekommission zum weiteren Vorgehen bei der Förderung erneuerbaren Energien. Basis dazu bildet der Energierichtplan der Gemeinde. Es ist klar, dass trotz Reduktion der Einspeisevergütung für Kleinanlagen die Kapazitäten für die Solarenergieproduktion weiter ausgebaut werden sollen. Geplant ist zudem die schrittweise Erweiterung des Gemeindenetzes für die Ladeinfrastruktur der E-Mobilität. Ein Höhepunkt war 2021 der Einbau eines Wärmespeichers und die Erweiterung des von der Gemeinde betriebenen Wärmeverbundes mit dem Anschluss des Gebiets Rafensburg. Schneller als erwartet steht bereits der Anschluss eines nächsten grösseren Abnehmers an.

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit bleibt verschiedenenorts unser Bestreben. Im Rahmen des vom Kanton initiierten Projekts Vorteil naturnah wurden 24 öffentliche Flächen im Gemeindegebiet eruiert, auf denen die Biodiversität gefördert werden soll. Die vor zwei Jahren gestartete Umsetzung wird 2023 abgeschlossen sein. Weiter werden etliche der im letzten Jahr auf Basis der Gefahrenkarte aufgegleisten Massnahmen im Hochwasserschutz mit Revitalisierungsprojekten kombiniert. Beispiel im 2021 war die Um- und Offenlegung des Möslibachs. Weitere Aufwertungspläne bestehen beim Allmendbach, dem Dorfbach (u.a. mit einer Fischtreppe beim TKB-Gebäude) und dem Kafigraben.

Es ist ein wenig spektakuläres, aber im Zeichen der vermehrten und verdichteten Bebauung sehr wichtiges und umfangreiches Projekt: die Überarbeitung des generellen Entwässerungsplans (GEP). Nach drei Jahren mündeten die Untersuchungen der Anlagen und Gewässer sowie die Abklärungen zur Datenbewirtschaftung in einem Entwässerungskonzept. Der darin definierte Massnahmenplan wird nun in der zweiten Projektphase umgesetzt. Die in den Simulationen erkannten Schwachstellen werden beseitigt.

Gewässerraumlinienplan und Entwicklung im Zentrum

Im Bereich der Ortsplanung konnte im abgelaufenen Jahr der neue Gewässerraumlinienplan in Kraft gesetzt werden. Er ersetzt im Baugebiet die bisherigen Baulinien. Nun steht Gleiches beim Gewässerraum ausserhalb der Bauzone an.

Der Gemeinderat hat sich vorgenommen, sich intensiv mit grundsätzlichen Fragen der Entwicklung im Dorfzentrum – vor allem um das Gemeindehaus – auseinanderzusetzen. Dies auch abhängig von bzw. koordiniert mit den Entscheiden der Volksschulgemeinde betreffend die Erweiterung ihrer Schulstandorte im Zentrum. Dazu gehören sicherlich auch Themen wie planerische Instrumente zur Einflussnahme, Parken im Zentrum sowie Information und Beteiligung. In die Überlegungen einbezogen werden sollen auch das Projekt Mehrzweckhalle sowie die Pendenz Werkhof-Entsorgungshof-Feuerwehrdepot (inkl. Hertlerhalle).

Zahlreiche Wohnbauten im Bau und in Planung

Natürlich auch in diesem Aus- und Rückblick nicht fehlen darf der Hinweis auf die vielen Bauprojekte, die unser Dorf ebenso offensichtlich wie stark verändern. Der Boom bei den privaten Wohnbauten ist ungebrochen. Dazu die von meinem Vorgänger zusammengetragene eindrückliche Zahl: kurz vor Mitte 2021 standen insgesamt 260 Wohneinheiten im Bau oder waren rechtskräftig bewilligt. Dazu kommen zahlreiche Umbauten und Renovationen - die Bauverwaltung verzeichnete 2021 einen neuen Höchststand an Baugesuchen.

Im letzten Jahr wurden beispielsweise weitere Mehrfamilienhäuser an der Meierhof- bzw. Hofstrasse, Rüllenstrasse und Hauptstrasse 62 fertiggestellt und bezogen. Deren weitere sind an der Wigärtlistrasse, Reinblickstrasse (neben Migros), Meierhofstrasse (Schäfli), Sägestrasse und Okenfinerstrasse im Bau (oder im Um- bzw. Ausbau). Weitere grosse Wohnbauten stehen an der Hauptstrasse (Schweizer Areal), Talackerstrasse und Traubenstrasse vor dem Baubeginn. Zur Ausführung gelangen dürfte zudem demnächst das grosse Gewächshausprojekt der Firma Schächtle Gemüsebau im Tägermoos.

Weitere Investitionen bei den Gemeindewerken

Angesichts dessen erstaunt es nicht, dass auch die Politische Gemeinde weiter investieren muss. Heuer erfolgt der Startschuss zum Ersatzneubau des Wasserreservoirs Gruebhalde, für den der Souverän im letzten Juni an der Urne einen Kredit von CHF 2.05 Mio. bewilligt hat. Bei der Wasserversorgung wird zudem in die Sanierung der Quellfassungen und in die zweite Etappe des Leckortungssystem investiert. Bei der Stromversorgung stehen nach dem Ersatz zweier Trafostationen im 2021 nun Investitionen in Stromzähler der neuesten Generation mit digitaler Messtechnik und eine neue Abrechnungssoftware auf dem Programm.

Mit dem Setzen der Bäume fand die Sanierung und Aufwertung der Hauptstrasse unter der Ägide des kantonalen Tiefbauamts ihren Abschluss. Die Gemeindewerke haben bei dieser Gelegenheit ihre Werkleitungen erneuert. Mit dem Ja an der letzten Gemeindeversammlung kann die Sanierungsplanung für den Hertlerkreisel fortgeführt werden. Ebenfalls federführend ist der Kanton bei der geplanten Bushaltestelle mit Fussgängerübergang und Mittelinsel an der Konstanzerstrasse (bei GDELS Mowag). Bei den Gemeindestrassen richtet sich der Erneuerungsrhythmus nach der notwendigen Erneuerung der Werkleitungen. Im 2022 wird der Abschluss bei der Sanierung der Torggelgasse erfolgen. Weiter in diesem Jahr vorgesehen sind Arbeiten an der Hangstrasse sowie an einem ersten Teil der Seeblickstrasse sowie dem östlichen Abschnitt des Seeblickwegs.

Geschätzte EinwohnerInnen, geschätzte StimmbürgerInnen, für Ihr Vertrauen und Wohlwollen bedanke ich mich herzlich im Namen des Gemeinderats, der Kommissionen und der Mitarbeiter der Gemeinde. Für Ihre Rückmeldungen und die konstruktive Kritik sind wir offen und dankbar.

Markus Ellenbroek, Gemeindepräsident