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Märliumzug 6. und 13. September 2020

Märliumzug 6. und 13. September 2020

Die Geschichte des Volksmärchens erlebte im 19. Jahrhundert einen großen Aufschwung durch die Veröffentlichung einer Sammlung der Brüder Grimm.

Sie haben die Märchen in einer Weise geändert, dass sie Kindern vorgelesen werden konnten. Von da an wurden in ganz Europa nach dem Vorbild der Gebrüder Grimm Volksmärchen aufgezeichnet und veröffentlicht.

Ein Merkmal eines Volksmärchens ist die kurze und knappe Handlung. Auf Beschreibungen von Landschaften, Personen und Gebäuden wird verzichtet. Jedem Leser und Zuhörer bleibt es sich selbst überlassen, wie wunderbar oder dramatisch er sich die Erzählung ausmalt. Im Unterschied zu den Kunstmärchen wie z. B. Hans Christian Andersen, weisen die Volksmärchen keinen Autor oder Urheber auf, sie beruhen auf mündlichen Erzählungen.

Heute gibt es neue Märchen für moderne Menschen, wie Spiderman, Superman oder Harry Potter. Auch sie behandeln immer wieder die uralten Fragen von "Gut" und "Böse". Leider wird dabei die Fantasie nicht mehr so stark wie früher angeregt, weil die Bilder schon vorgegeben sind.

Viele Märchen enthalten die moralische Botschaft, dass Licht und Liebe, Treue und Ehrlichkeit am Ende immer über das "Dunkle" oder "Böse" siegen. Die Belohnung und Bestrafung soll dabei den kosmischen Gesetzen von Ursache und Wirkung entsprechen.

Märchen erzählen ihre Geschichte in einer Bildersprache und stellen eine Verbindung zu unserem psychischen Erleben her

Märchen bieten Bilder, um eigene psychische Vorgänge darin mitzuerleben.

Wenn der Held es geschafft hat, alle Aufgaben zu lösen, haben sich alle Persönlichkeitsanteile in Liebe miteinander vereint und somit ihr Selbst gefunden.

Im Märchen - wie in der Psychotherapie - ist es das Ziel, eine heile ganzheitliche Persönlichkeit zu werden. Besonders Kindern hilft die magische Welt der Märchen, ihre Erlebniswelt mit ihren Ängsten zu bewältigen.

Heute weiß man: Märchen sind nicht nur unterhaltsam und erfreuen die Leser und Hörer, sondern sind auch fantasieanregend und allein deshalb pädagogisch wertvoll.

Viele Grimmsche Märchen sind heute fast weltweit zu Klassikern geworden, die noch immer jedes Kind kennt: Hänsel und Gretel, Aschenputtel, Schneewittchen und die sieben Zwerge und viele andere Märchen sind nicht nur in der Grimmschen Fassung bekannt, sondern auch durch Umgestaltungen von Komikern wie Otto („Die sieben Zwerge – Männer allein im Wald“) und andere Bearbeitungen für Film und Fernsehen („Drei Nüsse für Aschenbrödel“) sehr beliebt geworden.

«Es war einmal vor langer, langer Zeit...»
Die Märchen von früher sind mehr als nur Unterhaltung – sie sind Lebensweisheiten

Was heute Bart Simpson, Biene Maja oder Cinderella sind, waren einst Schneewittchen, die sieben Zwerge oder Rumpelstilzchen. Braucht es heute noch Märchen?

Schnell und hektisch
Während früher das Märchenerzählen bei vielen Kindern zu einem festen Bestandteil gehörte, kennen die Kinder heute kaum mehr Märchen. Es sei denn, sie wurden von Walt Disney verfilmt. Heute sind Cinderella, Bärenbrüder oder Ice Age die Favoriten. Alles Geschichten, welche die Kinder mehrheitlich alleine vor dem Fernsehen konsumieren. Das Tempo ist rasant, für Erklärungen bleibt keine Zeit. Auf die Frage, was verloren geht, wenn Märchen nicht mehr von Personen erzählt werden, sagt Karin Paradowski: «Die Kinder kommen nicht mehr dazu sich
innere Bilder zu schaffen und sie weiterzuentwickeln. Eine Art von Seelennahrung geht verloren.»

Märchen können Inseln sein. Inseln für Kinder, in denen sie eine kleine, eigene Welt erleben. In der es das Böse gibt, aber glücklicherweise immer das Gute gewinnt.
Viele Menschen haben ihre eigenen, prägenden Erfahrungen mit Märchen gemacht und können sich noch gut an ihr Lieblingsmärchen erinnern. Vielleicht war es das Schneewittchen, die drei kleinen Schweinchen oder Rumpelstilzchen?
Märchen sind aber nicht nur einfach alte Geschichten, die zur Unterhaltung dienen. Sie haben immer auch einen tieferen Sinn. Die Kinder lernen dabei unbemerkt Bedeutungen, Verhaltensmuster oder die Tatsache, dass es nicht nur sonnige Seiten im Leben gibt. Sie vermitteln Lebensweisheiten, zeigen Begebenheiten des menschlichen Wesens und zeigen Wege auf, wie man im Leben weiter kommt.
Karin Paradowski, Märchenerzählerin aus Glarus: «Im Märchen geht es um Urbilder und das Wissen, das die Menschen verbindet.»
Ausgangslage in einem Märchen ist laut Karin Paradowski immer ein Mangel – eine problematische Situation. Der Held oder die Heldin muss daraufhin auf Wanderschaft und nach einer Lösung suchen. Und da es im Märchen immer ein gutes Ende gibt, wird auch eine Lösung gefunden. Die Kinder erfahren auf diese Weise, dass es sich nach Lösungen umsehen soll, dass es fast immer auch eine Lösung zu einem Problem gibt.

Wie Albert Einstein sagte:

„Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt!“