Geschichte

Geschichte der Gemeinde Tägerwilen

Tägerwilen - Ein Thurgauer Dorf im Wandel der Zeit

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Kurzfassung der Dorfgeschichte

Erste Spuren von Resten einer Besiedlung im näheren Umkreis unseres Dorfes stammen aus der Zeit um 4000 v.Chr. Ewas konkreter werden Anhaltspunkte aufgrund verschiedener Funde während der Bronzezeit und später dem Volksstamm der Kelten. Aus der Römerzeit ist bis heute keine Niederlassung nachgewiesen, bekannt ist aber, dass ein Verbindungsweg aus dieser Zeit von Konstanz nach Pfyn durch unser heutiges Gemeindegebiet geführt hat. Mit der Verdrängung der Römer durch die Alemannen wird die Geschichte unserer Gemeinde dann verlässlicher, weil sich aus den Endungen der Namensgebung der Dörfer die Besiedlungszeit in etwa ablesen lässt. So schliesst man aus der Endung "...wilen" auf die Zeit im 7. bis 8. Jahrhundert.

Die Ersterwähnung

Wohl seit der ersten Besiedlung hatte Tägerwilen eine grosse Abhängigkeit von Konstanz. Um das Jahr 600 wurde die Stadt Konstanz Bischofssitz, ein Bistum und später auch Reichstadt, von wo aus im wirtschaftlichen, politischen, religiösen und rechtlichen Bereich bis ins 19. Jahrhundert hinein eine hohe Macht bis über die Grenzen des heutigen Thurgau hinaus ausgeübt worden ist. In diesem Zusammenhang steht die namentliche Ersterwähnung von Tägerwilen. Bei der Gründung des nordseits des Rheins gelegenen Klosters Petershausen durch den damaligen Konstanzer Bischof Gebhard II ist die Schenkung eines Landgutes bei Tegirwilare durch eine Edelfrau, datiert im Jahre 990, erwähnt.

"Kleine" Tägerwiler Geschichte!

Was alte Häuser alles wissen!
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Burg und Schloss Castell

In der Geschichte unseres Dorfes ist die Burg Castell und die nachmalige Entwicklung zum gegenüberliegenden Schloss und dem Landgut, welches aus bischöflichen Lehensgütern gewachsen ist, erwähnenswert, erst als Teil einer Feste für die Sicherheit bischöflicher Herrschaften und Besitzungen im 12. Jahrhundert, folgend als Verwaltungszentrum und Sitz der Amtsleute des Bistums, später als Prunkbau für adelige Geschlechter mit einer ausgeprägten Hingabe für das Wohl der Jugend und der Armen im Dorf und heute als eines der baulichen Wahrzeichen der Gemeinde.

Die Offnung

Eine der bedeutesten Quellen, die uns über die Entwicklung und die Bedeutung des Dorfes im 15.Jahrhundert Aufschluss gibt, ist die Offnung von 1477. Darin ist eine Sammlung von Rechten, Pflichten und Regeln aller Art zusammengestellt, die das Leben in einer Gemeinschaft ordnet und das Verhältnis zwischen Herrschaft und Bürgern erklärt. In diese Zeit fällt das Selbstständigerwerden des Gemeinwesens mit dem Einsatz von Amtspersonen, zum Beispiel dem Keller als Vertreter des Gerichtsherrn, dem Holzforster als Aufsicht in Feld und Wald, dem Feldforster als Hüter des Viehs und dem Wirt als Bote für Getränke und Nahrung.

Die Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungsentwicklung im Dorf mit 480 gezählten Personen anfangs des 17. Jahrhunderts erlitt einerseits durch grosse Pestepidemien und landesweiten Hunger- und Krisenjahren immer wieder empfindliche Rückgänge. Nachfolgend entwickelte sich aber die Bevölkerungszahl kontinuierlich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts auf 1‘500 Seelen, dann sprunghaft in den folgenden 40 Jahren auf 2‘600 und Ende der Neunziger-Jahre sogar auf 3‘200 Einwohner.

Die Bauerngemeinde

Tägerwilen galt, wie wohl viele Orte im Kanton, als Bauerngemeinde mit vielen Klein- und Nebenerwerbsbetrieben. Zählte man 1929 noch 62 Bauernbetriebe, waren es 1990 noch 28. Hingegen ist die durchschnittliche Betriebsgrösse von damals 540 Aren im gleichen Zeitraum auf 1‘730 Aren angestiegen. Die Entwicklung weg vom nicht mehr wirtschaftlichen Kleinbetrieb zu grösseren Einheiten hat sich auch hier unverkennbar durchgesetzt. Auch Teile der Tierhaltung haben sich unaufhaltsam zurückgebildet und vermehrtem Ackerbau mit einer reichhaltigeren Kulturenvielfalt Platz gemacht. Der Rebbau, im letzten und vorletzten Jahrhundert noch ein bedeutender Erwerbszweig, ist fast vollständig aus dem Landschaftsbild verschwunden. Eine Neuanlage auf rudimentär kleiner Fläche will nicht die Tradition zurückholen, sondern ganz einfach aufzeigen, dass unser Klima und unsere Bodenbeschaffenheit auch für solche anspruchsvolle Kulturen genügen könnte.

Gewerbe und Industrie

Soweit es Statistiken aufzeigen, war in Tägerwilen bereits im letzten Jahrhundert ein erfolgreiches, mit viel Pionier- und Erfindergeist beseeltes Kleingewerbe ansässig. So baute hier ein Schlossermeister Johann Rudolf Hälg 1886 ein dreirädriges, vierplätziges Dampfautomobil, ab 1905 der Maschinenbauer Karl Maier neuartige Maschinen für die Landwirtschaft, in seiner Werkstatt im Guggenbühl um 1890 Eugen Kaufmann Automobile mit Benzinmotoren und der spätere Bernina-Grossunternehmer Karl Friedrich Gegauf erfand in seiner ursprünglichen Tägerwiler Werkstatt die erste Hohlsaumnähmaschine. Ungestüm fassten im heutigen Jahrhundert Betriebe verschiedenster Branchen im Dorfe Fuss, sodass die Aussage, Tägerwilen sei heute ein starkes Gewerbe- und Industriedorf mit einer reichhaltigen Palette von Arbeitsplätzen und der Existenz einer noch intakten Landwirtschaft, absolut zutrifft.

Der Sonderfall Tägermoos

Ein Sonderfall in unserer Gemeindegeschichte ist das Tägermoos, die weite Ebene zwischen dem Grenzbach zur Stadt Konstanz und unserer dörflichen Siedlung. Der grösste Teil dieses einstigen Sumpf- und Weidegebietes, heute ein jedoch sehr fruchtbares Ackerland mit betont bevorzugtem Gemüsebau, ist grösstenteils im Eigentum der Stadt Konstanz. Der Erwerb durch die Stadt aus ehemals meist klösterlichem Eigentum, als Vorgelände zur Sicherung ihrer Mauern und Gräben gedacht, lässt sich urkundlich in der Zeitspanne von 1245 bis 1560 nachweisen. Der Einfluss der durch die neue Eigentümerin auf diesem Gebiet erlangten Gerichts- und Vogteirechte wurde so gross, dass sie immer wieder versucht war, es auch dem eigenen Hoheitsgebiet zuzuordnen und sie liess dort 1384 bei der damals einzigen Moossiedlung, dem Ziegelhof, ein Galgen als konstanzische Richtstätte erbauen. Noch heute erinnert ein dortiger Flurname an die erst 1833 erfernte Einrichtung.

Durch den Umsturz 1798 wurde der Thurgau frei, das heisst, alle landvögtlichen, landgerichtlichen und gerichtsherrlichen Rechte wurden aufgehoben, dies jedoch aber nicht über das Tägermoos. Offenbar hatte man schweizerseits dem damals noch unbesiedelten Gebiet in diesen Belangen nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. So entstanden mit der Zeit und der Fruchtbarmachung des Mooses zu einem wirtschaftlich auf einmal viel beachteten Gebiet, Streitigkeiten über hoheitsrechtliche Befugnisse und Grundsätze. Auch die politische Zuordnung zu einem schweizerisch verankerten Gemeindegebiet blieb unterlassen, ein Zustand, dem noch heute ein staatsrechtlicher Entscheid wartet.

Dessen ungeachtet hat die Gemeinde Tägerwilen das ganze Moos in ihren verfassungsrechtlichen Verwaltungsauftrag eingebunden und dabei die 1831 in einem Staatsvertrag zwischen dem Kanton Thurgau und dem Seekreisdirektorium Baden-Baden eingeflossenen Sonderregelungen, soweit sie heute noch vollziehbar sind, beachtet.

Die Kirche

Die Kirche gehörte in Tägerwilen bis in das 16. Jahrhundert hinein dem katholischen Glauben. Die Reformation im benachbarten Konstanz erfasste jedoch auch Tägerwilen. Doch wollte man es offenbar mit dem Bischof von Konstanz deswegen nicht ganz verderben und man liess seinen Einfluss zum Bezug der kirchlichen Einkünfte und zur Besetzung der Pfarrstelle weiterhin gelten.

Selbst 1695 wird zum Beispiel festgestellt, dass es trotz vieler landesweiten Gegenströmungen im Dorfe noch keine "Papisten" gebe. Allerdings zählte man in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vor allem nur Angehörige vornehmer Familien und auch zugezogene Dienstboten zum katholischen Glauben. Die wenigen Katholiken mussten vorerst nach Konstanz zur Messe, später nach Emmishofen (heutiger Westteil von Kreuzlingen). Sie fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Bernrain. Bis anfangs der sechziger Jahre dieses Jahrhunderts war dann der katholische Bevölkerungsanteil in Tägerwilen so gross, dass sich ein eigenes Gotteshaus aufdrängte, welches 1969 eingeweiht werden konnte. Umgekehrt waren die evang. Kirchbürger aus Emmishofen auf den Kirchenbesuch in Tägerwilen angewiesen, bis sie dann endlich im Jahre 1724 ihr eigenes Gotteshaus zusammen mit Egelshofen bauen konnten. Rund 230 Jahre lang bildeten Gottlieben und Tägerwilen zusammen eine evang. Kirchgemeinde. Als Gotteshaus diente die bereits im Jahre 900 in Tägerwilen erwähnte Kirche, die um 1760 gründlich renoviert und dabei in ihrem Aussehen merklich verändert worden ist. Erst 1735 entstand in Gottlieben eine Kirche und es wurde eine eigene Pfarrgemeinde gegründet.

Die Schulen

Das erste Schulhaus, das gleichzeitig als Gemeindehaus diente, wurde 1610 am Brunnensteg erbaut. Obwohl es längst als zu klein und als sehr baufällig galt, musste es diesem Zweck bis zum Jahre 1870 dienen. Heute präsentiert es sich als prächtiger Riegelbau für Wohnzwecke.
Bereits aber 1860 beschloss die Bürgergemeinde, einen Schulhausbaufond zu gründen: "Einen Fond, aus dem einst ein Gebäude entstehen wird zur Zierde und zum Segen der Gemeinde, eine Bildungsstätte, in der unsere nachkommende liebe Jugend zu guten Bürgern und frommen Christen herangebildet, in dem zu ihrem geistigen Heil, zu ihrer irdischen Wohlfahrt der Grundstein gelegt wird. Und für diesen ehrenvollen Ausdruck des Gemeinsinns, unseres Eifers für Förderung des Guten und Nützlichen werden spätere Geschlechter uns dafür ehren und segnen." In das dann 1870 geweihte Haus wurde auch ein 300 Personen fassender Bürgersaal gebaut. 1854 konnte in Tägerwilen ein neuer Sekundarschulkreis eröffnet werden, welchem allerdings nach verschiedenen Uebergangslösungen erst 1885 die definitive Selbständigkeit zugesprochen wurde. Ab Mitte dieses Jahreshunderts forderte das rasche Wachstum der Gemeinde weitere neue Schulanlagen für die unteren und oberen Schulstufen. Dass Tägerwilen wegweisend bereits 1801 eine der ersten Mädchenarbeitsschulen und 1837 sogar die erste Kleinkinderschule im Kanton einrichten und ab 1903 für die Jugend auch eine Turnhalle bauen konnte, blieb bezeichnend für die aufgeschlossene, soziale Gesinnung wohlhabender Einwohner.

Die dörfliche Vielfalt

Ueber 30 Dorfvereine und -vereinigungen bilden die Grundlage für die Vielfalt kultureller, sportlicher, wirtschaftlicher und politischer Tätigkeiten. Das Chlausenlaufen und das Präsentieren von märchenhaft gestalteten Umzügen gehören heute zu fest etablierten Dorftraditionen.